26.07.2015
Wozu eigentlich...

...der Einsatz einer Schenkeltrense?
Die Schenkeltrensen haben in meinen Augen eine spezielle Eigenschaft, die sie besonders für die Arbeit mit Jungpferden geeignet macht: wenn man auf der einen Seite den Zügel annimmt, bekommt das Pferd zusätzlich auf der anderen Seite einen Impuls. Diesen leichten Druck kennt es bereits, z.B. vom Stallhalfter und es hat gelernt, diesem Druck zu folgen, bzw. genauer gesagt, diesem Druck nachzugeben und in eine Biegung zu "weichen".
Bei ganz jungen Pferden verschnalle ich die Zügel dann zusätzlich noch in das Reithalfter, so dass das Maul in dem Moment, wo man etwas stärker einwirken muss, kaum noch Druck bekommt. In diesen Momenten greift der Zügel dann fast ausschließlich ins Reithalfter. Dadurch dass das Gebiss vor dem Reithalfter liegt wirkt der Zügel nämlich nur dann auf das Gebiss ein, wenn der Zügel nur leicht angenommen wird. Wird der Zügelanzug stärker, landet die Hilfe ab einem gewissen Punkt am Nasenriemen.
Hat das Pferd die Zügelhilfen grundsätzlich verstanden, verschnalle ich die Zügel dann in die Schenkeltrense.
Folg das Pferd dem seitwärtsweisenden Zügel willig, dann steige ich um auf eine "normale" Trense.
Einen etwas ähnlichen Effekt hat übrigens eine D-Ring-Trense, je nach Größe der D-Ringe. Auch dieses Gebiss kann einen leicht seitwärtsweisenden Effekt am äußeren Zügel haben, vor allem, wenn die innere Zügelhilfe leicht von "innen-seitwärts" kommt. 


24.07.2015
Keine Probleme!

Hey, natürlich gibt es das auch!
Ein Jungpferd wächst vernünftig und artgerecht im Herdenverband auf, wird sachgemäß und kompetent angeritten, weiter gefördert und bereitet nie in seinem Leben irgendwelche Probleme...
Das ist unser aller Ziel und das gibt es auch im wahren Leben... Ich habe mich trotzdem all den Pferden verschrieben, bei denen es halt irgendwie nicht ganz so vorbildich verläuft :-)


30.05.2015
Probleme...?

Schwierigkeiten beim Reiten werden leider oft viel zu oberflächlich betrachtet und somit verbaut man sich selbst den Weg zur Korrektur.
Pferde steigen oder bocken z.B. nicht einfach so, sondern es gibt einen ganz bestimmten Grund dafür. Und der Grund ist nicht das Wetter, die Windrichtung, die Uhrzeit oder sonst etwas, sondern der Grund ist ein Ausbildungsdefizit. Und natürlich ist auch diese Aussage viel zu pauschal: der Grund ist viel spezieller.
Meistens ist es eine ganz bestimmte Einwirkung des Reiters, die das Pferd nicht versteht oder nicht akzeptiert. Wenn Pferde z.B. bocken, dann haben sie häufig ein Problem mit den treibenden Hilfen des Reiters. Oft bleiben sie zunächst stehen und bocken dann, wenn der Reiter treibt oder treiben möchte. Das eskaliert im Laufe der Zeit und irgendwann traut der Reiter sich nicht mehr, zu treiben, reitet dann nur noch vorwärts, wenn das Pferd Lust dazu hat und schon ist das Problempferd geboren...
Beim Steigen ist es meist so, dass das Pferd die Hilfen auf einer Seite nicht annimmt, z.B. den linken Zügel und den linken Schenkel. Häufig entsteht das Problem, wenn das Pferd nach einer Seite ausbricht oder umdreht und der Reiter dann auf der (wichtigen Seite) nicht durchkommt. Er müsste z.B. mit dem linken Zügel und dem linken Schenkel korrigieren, das Pferd akzeptiert das nicht, reagiert mit Steigen und wieder haben wir ein Problempferd geschaffen...
Die Pferde sind also eigentlich keine "Steiger" oder "Buckler", sondern sie akzeptieren den Schenkel oder den Zügel nicht.
Der Reiter muss oft "nur" das wahre Problem erkennen und in passender Weise lösen. Das macht er leider zu oft in unpassender Weise, nämlich in der Problemsituation, wenn das Pferd ohnehin schon gestresst ist. Da wird es sein bereits gefestigtes Verhalten aber nur schwer ändern. Besser ist es, das Problem zu erkennen und in ganz anderem Umfeld zu lösen. Wenn es beim Losreiten vom Hof stehen bleibt, steigt und umdreht, weil es die linken Hilfen nicht akzeptiert, dann kann man dieses Problem zunächst z.B. in der Halle oder im Round Pen angehen und korrigieren und erst danach in die Konfliktsituation übertragen. So kann das Pferd die Hilfen des Reiters in Ruhe verstehen lernen.
Denn meist hat es einfach nur nicht verstanden, was der Reiter mit seinen Hilfen erreichen will.
Pferde lesen keine Bücher und kommen nicht ausgebildet auf die Welt. Sie müssen lernen, was ein seitwärtstreiben Schenkel zu bedeuten hat und wje sie darauf reagieren sollen. Wir dürfen nicht erwarten, dass sie das von "Natur aus" verstehen.
Das ist die Aufgabe des Reiters und vor allem des Ausbilders: dem Pferd verständlich machen, welche Reaktion wir auf unsere Hilfen erwarten!

PS: Meist liegt es auch nicht am falschen Gebiss oder am falschen Sattel... sorgfältiger ausbilden hilft oft deutlich mehr ;-)


27.04.2015
Facebook-Einträge...

Selten finde ich sie so gelungen, dss ich sie "teilen" würde. Aber diesem hier stimme ich so was von zu....


21.04.2015
Urlaub: ja oder nein?

Ich werde oft gefragt, ob und wann es Sinn macht, einem Pferd eine Pause, also Urlaub, zu geben...
Der Urlaub nach dem Anreiten eines Jungpferdes ist recht weit verbreitet, ist aber gar nicht immer hilfreich. War das Pferd zum Beispiel in professionellem Beritt, so sollte der Besitzer es ausreichend lange selbst geritten haben, bevor er das Pferd in Urlaub schickt. Sonst steht der Reiter dem Pferd nach dessen Urlaub recht hilflos gegenüber, weil er es ja gar nicht unter dem Sattel kennengelernt hat und selbst nicht hingespürt hat, wie das Pferd eigentlich zu reiten ist. Alternativ kann natürlich auch der Bereiter das Antrainieren nach dem Urlaub übernehmen.
Manchmal ist es sinnvoll, dem Pferd eine Pause zu gönnen, wenn der Fortschritt stagniert und es eher zu Rückschritten kommt.
Zu wenig Urlaub bekommen oft die "Streber" unter den Pferde, diejenigen, die schnell und gut lernen und immer vorbildlich mitmachen. Sie verleiten den Reiter leicht dazu, immer weiter zu machen, weil doch alles so gut klappt....
Nach einer anstrengenden Saison ist eine Pause für die Pferde in der Regel eine nette Belohnung und eine prima Erholungsphase.
Wie ein passender Urlaub aussehen soll, darüber kann man sich streiten. Für mich ist aber klar: ab in die Herde, raus auf die Wiese, je mehr Platz und Natur, umso besser. Und auch die Besitzer sollten ihre Bedürfnisse mal hinten anstehen lassen: ein bischen verwildern im Urlaub ist oft sehr heilsam für die Pferdeseele :-)


26.01.2015
Es festigt sich, was sie tun...

Pferde sind sehr logisch in ihrem Denken und ihrem Verhalten.
Das, was sie tun, das festigt sich. Wie ich das meine?
Wenn wir es zulassen, dass sie schnell galoppieren, dann festigt sich das "schnell galoppieren". Wenn wir selbst auch schnell galoppieren möchten, dann passt es und alles ist in Ordnung. Wenn wir aber in Wahrheit nicht schnell galoppieren möchten, dann sollten wir es auch nicht zulassen, dass die Pferde es tun. Das gilt natürlich nicht nicht für einen flotten Galopp ab und zu, aber für das Galopptempo, das wir überwiegend reiten.

Genauso verhält es sich mit allem: wenn wir keinen übereilten Schritt reiten möchten, dann sollten wir es nicht zulassen, das unser Pferd das übereilte Schritttempo "übt und festigt". Wenn wir nicht ständig die Gangarten nach Belieben des Pferdes wechseln möchten, dann sollten wir es nicht andauernd zulassen, dass es die Gänge wechselt. Wenn wir nicht möchten, dass es uns umrennt, dann lassen wir das nicht zu...

Klingt ganz logisch, ist manchmal aber nicht leicht umzusetzen. Und genau hier müssen wir ansetzen: wie schaffen wir es, unser Pferd von dem unerwünschten Verhalten abzuhalten und statt dessen zu motivieren das Erwünschte zu festigen?
Zum einen: Ursachen für die Probleme suchen, Lösungen finden und konsequent durchsetzen. Und Konsequenz bedeutet nicht "Härte, Strenge oder Lieblosigkeit", sondern "Klare Regeln, Faire Verständigung und Vorhersehbares Verhalten des Menschen".
Pferde sind äußerst dankbar für ein konsequentes Verhalten - und wir können das gefestigte, erwünschte Verhalten geniessen!
Mit einem Pferd, das unsere Wünsche gezeigt bekommt und nicht erraten muss :-)


04.12.2014
Dehnen in Zentimetern...

Ich finde es unglaublich, wie viel Unterschied (tatsächlich in Zentimetern) es macht, ob ein Pferd den Hals verkürzt oder dehnt. Um das mal deutlich zu machen, habe ich hier drei Fotos von Simona mit Glydrá. Dazu habe ich eine gelbe Linie gemalt, welche die Länge des Oberhalses darstellt. Der Unterschied in der Entfernung vom Genick zum Widerrist ist mindestens 30 - 40cm! Dieser Unterschied entsteht durch das "Sich-zusammenziehen" oder "sich auseinanderdehnen" der Muskelfasern. Klar, dass der verkürzte Oberhals viel weniger beweglich und elastisch ist, oder? Zieht nur mal euren eigenen Kopf in den Nacken und spürt hin...

Wenn man sich jetzt vor Augen hält, dass die Halsmuskulatur und die  Rückenmuskulatur beim Pferd zusammengehören und sich gar nicht getrennt von einander verkürzen oder dehnen können, dann wird es klar, warum die Dehnung des Halses so wichtig für den Rücken ist. 
Und wenn man sich darüber klar ist, dann versteht man auch, warum ich bei vielen Pferden zuerst an der Verbesserung der Rittigkeit und der Dehnung arbeite, wenn sie verspannten Passtölt gehen. So lange der Hals verkürzt getragen wird (und Glydrá hat auf dem Foto ja noch nicht mal einen wirklich verkürzten Hals, sie hebt nur den Kopf höher und kommt somit schon in eine kürzere Form), kann der Rücken nicht locker werden - und so lange KANN der Tölt gar nicht locker und taktklar werden.

Das ist jetzt tatsächlich mal eine Feststellung, die man mit dem Maßband bekräftigen kann :-)
Übrigens, wenn ihr Fragen oder Anmerkungen zu meinen Einträgen hier habt, nutzt doch einfach das Kontaktformular! Vielleicht geht das anderen genauso durch den Kopf und sie wären an der Antwort interessiert!


20.11.2014
Tanzen und Reiten...

Eines der schönen Dinge beim Reiten ist, dass man immer weiter lernt...

So war ich z.B. lange Zeit der Meinung, dass es mein Ziel sei, am lockeren, sprich leicht durchhängenden Zügel, zu reiten.
Jetzt hat sich dieses Ziel aber geändert. Warum, das kann ich vielleicht an einem Tanzpaar erklären: Wenn der Zügel durchhängt, dann habe ich in dem Moment keinen "Draht" zum Pferd, ich verzichte auf eine wichtige Kommunikationsebene, wie wenn eine Telefonleitung tot ist. Wenn ich den Zügel dann wieder benötige, dann ist das Aufnehmen des Zügels, so gut ich es auch mache, immer ein kleines Geruckel im Maul. Ausserdem ist eben meine Verständigung, meine Leitung über lange Phasen hinweg "tot".
War ist dann die Alternative?
Wie ist das bei einem Tanzpaar: beide Tänzen halten eine so elastische Verbindung, dass der eine den anderen führen kann, ohne Geruckel, ohne Zupfen und Zerren; der eine führt, der andere lässt sich führen. So entsteht eine fließende Bewegung, in der beide Partner harmonieren und sich jederzeit spüren können. 
Das ist mein neues Ziel für eine optimale Zügelverbindung, die wir ja auch in diesem Sinne Anlehnung nennen.

Natürlich kann man auch anders tanzen: ganz ohne Verbindung. Auch das kann Spaß machen, ohne Frage. Es ist aber eine andere Art zu tanzen, die an anderer Stelle ihren Platz hat, zum Beispiel im übertragenen Sinne beim Wanderreiten oder ganz am Anfang beim Jungpferdereiten. Logisch?


06.11.2014
Authentisch sein....

Habe ich es schon einmal gesagt? 
Ich liebe Pferde! 
Egal, wie sie sind: dick, dünn, clever oder auch weniger schlau; unkompliziert oder eine Herausforderung. Jedem Pferd, das ich trainiere, begegne ich mit Respekt, Neugier und ehrlichem Interesse.
Und die Pferde merken das. Sie bemerken, dass sie ernst genommen werden und vor allem, dass sie in ihrer Gesamtheit wahrgenommen werden. Persönlichkeit, Lebensfreude, Energie, Gebäude, Balance, Erwartungshaltungen, Gangveranlagung, Gangvermögen, Einsatzbereitschaft, Kommunikationsvermögen, Körperbewusstsein... alles gehört zum Pferd, alles gehört zum Menschen.
Ich nehme sie, wie sind, nicht, wie ich sie gerne hätte. Und zwar jetzt und hier. Wenn sie sich bemühen, dann freue ich mich, wenn sie nicht verstehen, erkläre ich - in ihrer Sprache. Wenn sie dagegen sind, überzeuge ich. Mit Konsequenz und Logik und niemals mit Ärger und Zorn. "Emotionen auf Null!" - meine Schüler kennen den Spruch: wir helfen den Pferden zu lernen, wie dürfen niemals böse auf sie sein.
Und was die Pferde immer spüren: ob wir authentisch sind oder ihnen etwas vorspielen. Was wir mit ihnen machen, müssen wir auch spüren. Lehren mit unterdrückter Wut oder Loben ohne echte Freude funktioniert nicht - der Trainer muss authentisch sein - die Pferde sind es garantiert! 


31.10.2014
Genau hingesehen...

Viele von Euch haben meine Gedanken zum Gebäude der Schimmelstute vom 8.Juli mit großem Interesse gelesen und nach einer Fortsetzung gefragt. Hier kommt sie an Hand eines Fotos von Leikur.
Leikurs Gebäude passt ganz genau zu seinen Reiteigenschaften: das möchte ich hier kurz erklären.

Betrachten wir das Foto, dann wird eines sofort klar: er ist sehr harmonisch und ausgewogen gebaut: alles passt zusammen. Das ist schon einmal eine sehr gute Voraussetzung für sein Leben als Reitpferd. Wenn wir dann genauer hinsehen, dann erkennen wir mehr:

1. Die Rückenlinie ist harmonisch geschwungen, der Übergang vom Rücken zur Kruppe ist fließend und sehr harmonisch. Der tiefste Punkt ist in etwa mittig, der Reiter kommt genau an der richtigen Stelle zum Sitzen.

2. Die Hinterhand ist etwas nach hinten herausgestellt. Das bewirkt eine gute und hohe Schubkraft und einer weniger ausgeprägte Tragkraft. Typisch für ein Pferd mit viel lockerem Tölt und weniger ausgeprägter Trabstärke.

3. Die Vorhand steht annähernd gerade unter dem Körper. Dies stützt und stabilisiert gut. Wäre sie deutlich nach vorne herausgestellt, würde der Rücken nach unten "hängen" und weniger kraftvoll sein.

4. Der Oberhals ist harmonisch und beweglich gewölbt. Zusammen mit dem guten Hals ansatz (5) macht das den Hals beweglich und gut aufgerichtet, ohne dass das Pferd einen Unterhals bekommt. 

5. Der Hals ist gut angesetzt (der Halsansatz befindet sich in der "Mitte" des Rumpfes - Linie 5). 

Fazit: Leikur zeigt die typischen Merkmale eines gut ausbalancierten Pferdes mit viel Naturtölt und sehr guten Eigenschaften im Bereich von Hals und Rücken - ein Pferd, das dem Reiter ein gutes Gefühl vermittelt!


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